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SĂ€chsische IV K
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Als SĂ€chsische IV K (sprich: vier K) bezeichneten die Königlich SĂ€chsischen Staatseisenbahnen ab 1900 die vierachsigen Schmalspurdampflokomotiven der Bauart GĂŒnther-Meyer mit 750 mm Spurweite. Mit 96 Exemplaren handelt es sich bei der sĂ€chsischen IV K um die meistgebaute Schmalspur(dampf)lokomotive fĂŒr eine Staatsbahn in Deutschland. Die Deutsche Reichsbahn ordnete die Lokomotiven 1925 der Baureihe 99.51â60 zu.
Contents
âą Geschichte
âą Einsatz
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Geschichte
Infolge des stetig steigenden Verkehrsaufkommens auf den sĂ€chsischen Schmalspurbahnen gegen Ende des 19. Jahrhunderts reichte die Leistung der eingesetzten Lokomotiven der sĂ€chsischen Gattungen I K, II K und III K bald nicht mehr aus. Die SĂ€chsische Maschinenfabrik entwickelte daraufhin eine Lokomotive mit vier angetriebenen Achsen, welche einen gröĂeren Kessel und eine gröĂere Reibungsmasse aufwies (basierend auf der 1890 entwickelten SĂ€chsischen M I TV fĂŒr Normalspur). Im Gegensatz zu den bisher eingesetzten Lokomotiven erhielten diese zwei Triebdrehgestelle, um trotz ihrer LĂ€nge ein Befahren krĂŒmmungsreicher Strecken zu ermöglichen. Zwischen 1892 und 1921 wurden insgesamt 96 Lokomotiven mit den Bahnnummern 103 bis 198 in Dienst gestellt. Dabei erhielten sie zunĂ€chst die Gattungsbezeichnung H M T K V, welche sie als Lok des Herstellers Hartmann (H) der Bauart Meyer (M) als Tenderlok (T) mit 750 mm Spurweite (K) und Verbundtriebwerk (V) kennzeichnete. Ab 1896 wurden sie als K IV und ab 1900 als IV K bezeichnet. Das âKâ steht fĂŒr âKleinspurâ.
FĂŒnf Exemplare mussten nach dem Ersten Weltkrieg abgeschrieben werden. Eine dieser Lokomotiven war 1918 nach Serbien gekommen, wo sie nach Kriegsende verblieb; die vier anderen waren nach ihrem Einsatz fĂŒr die Heeresfeldbahnen in SiebenbĂŒrgen geblieben, wovon drei im Zweiten Weltkrieg in ungarisches Eigentum gelangten. Alle im Ersten Weltkrieg im Baltikum auf dem Netz um Nowo Swenzjany sowie in Galizien eingesetzten IV-K-Lokomotiven (in Summe soll es sich um mehr als ein Dutzend Maschinen gehandelt haben) kehrten vor Kriegsende nach Sachsen zurĂŒck.
Die Deutsche Reichsbahn ĂŒbernahm 1920 die 90 in Sachsen verbliebenen Maschinen. Mit der 1921 in Dienst gestellten 96. Lokomotive erhielten sie ab 1925 die Nummern 99 511â546, 551â558, 561â579 und 581â608.
Nach der Indienststellung der leistungsstarken Gattung VI K (DR-Baureihe 99.65â71) und der Einheitslokomotiven der DR-Baureihe 99.73â76 wurden in den 1930er Jahren die Ă€ltesten Lokomotiven entbehrlich. Bis 1939 wurden so insgesamt 18 Lokomotiven ausgemustert und verschrottet. Im Zweiten Weltkrieg gingen zudem zwölf Lokomotiven bei KriegseinsĂ€tzen an der Ostfront verloren. Zwei Lokomotiven verblieben nach Kriegsende bei den Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ÄSD),cite-ref-1[1]cite-ref-2[2] vier weitere wurden von der sowjetischen Besatzungsmacht als Reparationsgut beschlagnahmt.
Im Bestand der DR verblieben 57 einsatzfĂ€hige Maschinen. Neun Lokomotiven kamen spĂ€ter zur ehemaligen RĂŒgenschen Kleinbahn und zu den ehemaligen Prignitzer Kreiskleinbahnen, wo sie mit Knorr-Druckluftbremsen ausgerĂŒstet wurden und in diesem Zusammenhang einen auffĂ€lligen DruckluftbehĂ€lter auf dem Kessel erhielten.
In den 1950er Jahren waren die meisten Maschinen am Ende ihrer Lebensdauer angekommen. Die Deutsche Reichsbahn plante, sie durch neue Diesellokomotiven der Baureihe V 36.48 zu ersetzen. Da die Versuche mit den zwei Baumustern jedoch keine zufriedenstellenden Ergebnisse lieferten, wurden in den Jahren 1962 bis 1967 insgesamt 30 Lokomotiven einer sukzessiven GroĂteilerneuerung unterzogen. Dabei erhielten die Lokomotiven zunĂ€chst nur neue Kessel, spĂ€ter auch neue Rahmen und Drehgestelle sowie Zylinder in SchweiĂkonstruktion. Neue Rahmen erhielten insgesamt 23 Maschinen. ĂuĂerliche Merkmale der neubekesselten Lokomotiven sind der fehlende SandbehĂ€lter auf dem Kesselscheitel und die oben abgeflachte Verkleidung des Dampfdomes. Viele Maschinen erhielten zu jener Zeit auch Scharfenbergkupplungen, Lichtmaschinen fĂŒr die Zugbeleuchtung sowie die Einrichtungen fĂŒr die Zugheizung. Die zusĂ€tzlichen Dampfverbraucher verminderten das Leistungsvermögen der Lokomotiven im Winter allerdings wesentlich.
Im Jahr 1973 schieden die letzten nichterneuerten Lokomotiven aus dem Betriebsdienst aus. Die noch weitestgehend originalen Lokomotiven 99 535 (Verkehrsmuseum Dresden), 99 579 (Museum RittersgrĂŒn), 99 581 (in Kirchberg geplantes Museum) und 99 604 (DGEG, heute SSB Radebeul) wurden fĂŒr eine museale Erhaltung sichergestellt. Die 99 581 wurde im Juni 1983 in Kirchberg verschrottet, nachdem dort der Aufbau eines Museums gescheitert war.
Die Ausmusterung der generalreparierten und groĂteilerneuerten Lokomotiven begann Anfang der 1970er Jahre beginnend mit den Lokomotiven, die noch ihren originalen, genieteten Rahmen besaĂen.
Mitte 1991 befanden sich noch 13 Lokomotiven im Betriebsbestand der Deutschen Reichsbahn. Im Zuge der EinfĂŒhrung des Betriebsnummernsystems der Deutschen Bundesbahn (DB) erhielten diese Lokomotiven ab dem 1. Januar 1992 formal die neuen Betriebsnummern 099 701 bis 713. Zwei Lokomotiven wurden jedoch bereits im November 1991 an die Interessengemeinschaft PreĂnitztalbahn verkauft, und die 99 562 war schadhaft abgestellt. Lediglich zehn Lokomotiven bekamen die neuen Betriebsnummern noch tatsĂ€chlich angeschrieben. Die Traditionslokomotive 99 539 trug die Betriebsnummer 099 701 jedoch nur zu den seltenen SondereinsĂ€tzen im Planverkehr.
In den Jahren 1992 und 1993 schieden die meisten Lokomotiven durch den Verkauf an die Döllnitzbahn sowie verschiedene Museumsbahnvereine aus dem Betriebsbestand der DR aus. Einige Lokomotiven gelangten am 1. Januar 1994 noch zur Deutschen Bahn AG. Ein planmĂ€Ăiger Einsatz der Lokomotiven erfolgte zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht mehr.
Einsatz
Die IV K kamen im Laufe der Zeit auf allen sĂ€chsischen Schmalspurstrecken zum Einsatz. Noch in den 1980er Jahren bewĂ€ltigten sie das gesamte Verkehrsaufkommen auf den Strecken WolkensteinâJöhstadt und OschatzâMĂŒgelnâKemmlitz. Auf letzterer beförderten sie bis in die frĂŒhen 1990er Jahre die schweren KaolinzĂŒge aus dem Kemmlitzer Tagebau, wobei das Gestein in offene Regelspurwagen geladen wurde, die bis Oschatz auf schmalspurigen Rollwagen standen.
Im Ersten Weltkrieg waren einige Lokomotiven auch fĂŒr die Heeresfeldbahnen im Einsatz, so die 132 (spĂ€tere 99 539) mit etwa einem Dutzend weiterer IV K bei der Ersten Gesellschaft fĂŒr Zufuhrbahnen in Nowo Swenzjany im heutigen Litauen.
Ab den 1950er Jahren wurden einige Lokomotiven auch im Prignitzer Netz und auf den RĂŒgenschen Schmalspurbahnen eingesetzt.
Die 1945 in der wiedergegrĂŒndeten Tschechoslowakei verbliebene 99 554 fuhr zunĂ€chst auf den Schmalspurbahnen JindĆichĆŻv HradecâObrataĆ und JindĆichĆŻv HradecâNovĂĄ BystĆice in SĂŒdböhmen, bis sie im Jahr 1951 an die Zementfabrik in KrĂĄlĆŻv DvĆŻr verkauft wurde. Bis zu ihrer Abstellung im Jahr 1956 lief sie auf der Industriebahn KrĂĄlĆŻv DvĆŻrâKonÄprusy.cite-ref-3[3]
Heute setzt nur noch die SDG eine Lokomotive im Regelverkehr ein. Sie kommt auf der WeiĂeritztalbahn zeitweise planmĂ€Ăig vor ReisezĂŒgen zum Einsatz.
Erhaltene Lokomotiven
Insgesamt 22 Lokomotiven der frĂŒheren sĂ€chsischen Gattung IV K sind erhalten. Neben den Museumsbahnvereinen halten auch die SĂ€chsische Dampfeisenbahngesellschaft (SDG) sowie die Döllnitzbahn (DBG) einige Lokomotiven weiterhin fĂŒr RegeleinsĂ€tze betriebsfĂ€hig vor.
| sĂ€. Nr. | DR-Nr. | Bild | EigentĂŒmer | Standort | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| 108 | 99 516 | | Museumsbahn Schönheide e. V. | Schönheide | betriebsfÀhige Museumslokomotive im Zustand der 1970er Jahre |
| 127 | 99 534 | | Stadt Geyer | Geyer | Denkmallokomotive auf dem Areal des frĂŒheren Bahnhofes Geyer |
| 128 | 99 535 | | Verkehrsmuseum Dresden | Dresden | Exponat der Dauerausstellung im Johanneum |
| 132 | 99 539 | | Traditionsbahn Radebeul | Radeburg | betriebsfĂ€hige Museumslokomotive, Ă€uĂerlich in Lieferzustand zurĂŒckversetzt. |
| 135 | 99 542 | | IG PreĂnitztalbahn | Jöhstadt | betriebsfĂ€hige Museumslokomotive im Zustand der 1970er Jahre |
| 145 | 99 555 | | Interessenverband der Zittauer Schmalspurbahnen e. V. | Zittau | betriebsfĂ€hig, gelegentlicher Einsatz vor den ZeitreisezĂŒgen der SOEG |
| 151 | 99 561 | | Döllnitzbahn | MĂŒgeln | abgestellt |
| 152 | 99 562 | | Deutsches Dampflokomotiv-Museum | Neuenmarkt | Museumsexponat |
| 154 | 99 564 | | SĂ€chsische Dampfeisenbahngesellschaft | | Betriebsbestand, abgestellt |
| 156 | 99 566 | | SĂ€chsisches Eisenbahnmuseum (SEM) | Chemnitz | Museumsexponat |
| 158 | 99 568 | | IG PreĂnitztalbahn | Jöhstadt | betriebsfĂ€hige Museumslokomotive im Zustand der 1970er Jahre |
| 164 | 99 574 | | Döllnitzbahn | MĂŒgeln | abgestellt |
| 169 | 99 579 | | Schmalspurbahnmuseum RittersgrĂŒn | RittersgrĂŒn | Museumsexponat |
| 171 | 99 582 | | Museumsbahn Schönheide | Schönheide | betriebsfÀhige Museumslokomotive |
| 173 | 99 584 | | Döllnitzbahn | MĂŒgeln | Einsatzbestand, betriebsfĂ€hig |
| 175 | 99 585 | | Museumsbahn Schönheide | Lohsdorf | Dauerleihgabe an Schwarzbachbahn e. V. , betriebsfÀhig |
| 176 | 99 586 | | Traditionsbahn Radebeul | Radebeul | betriebsfĂ€hige Museumslokomotive, Ă€uĂerlich in Lieferzustand zurĂŒckversetzt. |
| 180 | 99 590 | | IG PreĂnitztalbahn | Jöhstadt | betriebsfĂ€hige Museumslokomotive |
| 184 | 99 594 | | IG PreĂnitztalbahn | Jöhstadt | betriebsfĂ€hige Museumslokomotive |
| 194 | 99 604 | | Stiftung SĂ€chsische Schmalspurbahnen | Radebeul | Museumsexponat im letzten Einsatzzustand |
| 196 | 99 606 | | Stiftung SĂ€chsische Schmalspurbahnen | Radebeul | Museumsexponat, in den Zustand der 1960er Jahre rĂŒckversetzt. |
| 198 | 99 608 | | SĂ€chsische Dampfeisenbahngesellschaft | Freital-Hainsberg | Betriebsbestand, gelegentlicher Einsatz vor RegelzĂŒgen auf der WeiĂeritztalbahn |
Literatur
âą Rainer Fischer: 104 Jahre unterwegs. 99 539. In: Lok-Magazin. 261/Jahrgang 42. GeraNova Zeitschriftenverlag, 2003, ISSN 0458-1822, S. 54â59.
⹠Dirk Lenhard, Gerhard Moll, Reiner Scheffler: Die sÀchsische IV K. EK-Verlag, Freiburg 2004, ISBN 3-88255-199-2.
âą Holger Drosdeck, Martin Brendel, Helge Scholz, AndrĂ© Marks: Die Lokomotiven der sĂ€chsischen Schmalspurbahnen. Band 2: sĂ€chsische IV K â BR 99.51â60, SSB-Medien, Zittau 2018, ISBN 978-3-00-060324-2
Weblinks
Commons
: SĂ€chsische IV K
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Fahrzeuge des MĂŒgelner Schmalspurnetzes
âą IV K. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
Einzelnachweise
cite-note-11. â JindĆich Bek, ZdenÄk Bek: Encyklopedie ĆŸeleznice â ParnĂ lokomotivy [3]. NakladatelstvĂ corona, Praha 2000, ISBN 80-86116-20-4; S. 206f.
cite-note-22. â Josef MotyÄka: Encyklopedie ĆŸeleznice â ParnĂ lokomotivy [5]. NakladatelstvĂ corona, Praha 2001, ISBN 80-86116-23-9; S. 76.
cite-note-33. â Michal Martinek, Bohuslav Zeman, Radim Ć nĂĄbl, Vlastimil NovotnĂœ: K.B.K. MalodrĂĄha KrĂĄlĆŻv DvĆŻr â Beroun â KonÄprusy 1897â1962; Stopou dÄjin naĆĄich tratĂ â 2; KHKD Nymburk, 1987.